aus "Die
Rheinpfalz" vom 02. August 2006, Göcklingen
Wo 140
Stufen in den Hafen der Ehe führen
Alexandra
Brunken und Frank Timrott geben sich auf dem Leuchtturm der Insel
Pellworm das Ja-Wort.
Wir heiraten auf der
Insel Pell worm ..." – diese kurze Hochzeitsan-
zeige am 5. Juli in der RHEINPFALZ überraschte Freunde, Verwandte
und Nachbarn von Alexandra Brunken und Frank Timrott aus Glöcklingen
gleichermaßen. Sie nutzten einen Nordseeurlaub, um sich nach
knapp sechs Jahren, in denen sie zusammenleben, im hohen Norden
ein ganz besonderes Eheversprechen zu geben. Nach 140 Treppenstufen
besiegelten Alexandra und Frank ihre Ehe auf dem neunten Deck des
1906 errichteten Leuchtturmes von Pellworm.
„Sie haben heute
von der Insel Pellworm aus etwas Schönes auf den Weg gebracht
mit dem Ziel, den Bestimmungshafen, eine glückliche und friedliche
Zukunft, zu erreichen. Ihr Eheschiff hat Fahrt aufgenommen, sie
beide haben die Führung dieses Schiffes übernommen, wir
wünschen diesem Schiff und seiner Besatzung immer die obligatorische
Handbreit Wasser unter dem Kiel ...” versicherte unter anderem
Kapitän Wilfried Eberhardt nach der standesamtlichen Trauung
und machte das Paar mit dem „Glasen”, einem alten Seemannsbrauch
bekannt, der in früheren Zeiten auf den Schiffen als Zeitmesser
diente. Für das Brautpaar sollte das Glasen symbolisch die
Zeit des Kennenlernens, des Planens abschließen, denn nun,
so der Kapitän starte das Schiff der Ehe in eine neue Zeitrechnung.
Der Leuchtturm auf Pellworm
kann seit Mai 1997 besichtigt werden. Über 28.000 Besucher
haben bisher das Bauwerk mit dem grandiosen Ausblick über das
Wattenmeer bis nach Helgoland bewundert. Seit 1998 können sich
dort Hochzeitspaare da Ja- Wort geben. Knapp 1.650 Brautleute aus
ganz Deutschland und aus weiteren 31 Nationen haben der Standesbeamte
Stock und Kapitän Eberhardt, der "Hausherr" des Leuchtturms,
seit dieser Zeit hier schon getraut. Der 62-jährige fuhr lange
als Kapitän zur See und führt nun Besucher die steilen
Stufen nach oben.
Alexandra und Frank Timrott
waren in diesem Jahr Brautpaar 136. Schon im Milleniumsjahr 2000
hat für die beiden die gemeinsame Zeit begonnen – damals,
auf einer Geburtstagsparty von Alexandras Onkel Heiko, trafen sie
Amors Pfeile wie ein Blitz: Frank, der große Norddeutsche,
geboren in Lüneburg, aufgewachsen in Walsrode und Verden an
der Aller, verliebte sich in die junge Pfälzerin aus Eschbach.
Schon ein Jahr später suchten sie sich in Völkersweiler
die erste gemeinsame Wohnung. Am 9. Februar 2003 kam Tochter Lena
zur Welt, gleichzeitig zog die kleine Familie nach Göcklingen
in ein altes Winzerhaus um. Und vor neun Monaten machte Sohn Tim
das Glück von Alexandra und Frank Timrott komplett.
„Die Hochzeit war eigentlich nicht geplant. Beim Suchen im
Internet
nach einem familienfreundlichen Urlaubsort stießen wir auf
das Nordseeheilbad Pellworm und auch auf die tolle Möglichkeit,
dort zu heiraten. Außer unseren Eltern, die wir kurzfristig
zur Hochzeit in den hohen Norden, wusste niemand von unserem spontanen
Entschluss”, verriet das Paar im Nachhinein.
Schon als Kind hatte
Alexandra die Ferien im Norden bei den Großeltern verbracht,
denn auch ihre Mutter, Emmi Christ aus Eschbach, hatte seinerzeit
einen Norddeutschen geheiratet: Der gebürtige Friese Harry
Brunken aus Varel in Niedersachsen hatte
sich damals der Liebe wegen entschieden, in Eschbach ansässig
zu werden und entgegen allen bisherigen beruflichen Ambitionen seine
Frau im Winzerhandwerk und der Gastronomie zu unterstützen.

Ein
Modell des Leuchtturms und ein Album voller Fotografien bleiben
Alexandra und Frank Timrott als Erinnerung an ihre außergewöhnliche
Eheschließung hoch über dem Wattenmeer zurück.
So wie damals Alexandras
Vater hat auch der gelernte Kfz-Elektriker
Frank Timrott gemeinsam mit seinem Vater in der Pfalz einen neuen
Arbeitsbereich gefunden: Im eigenen Betrieb in Ilbesheim haben sie
in der Tresterverwertung eine Marktlücke geschlossen.
Während beim Ehepaar
Timrott wieder der Alltag eingekehrt ist, der
35- jährige Frank seinem vielseitigen Job nachgeht und die
34-jährige gelernte Verwaltungsfachangestellte Alexandra liebevoll
ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten erfüllt, sind die Erinnerungen
an das Hochzeitsfest immer gegenwärtig, denn das Modell des
Pellwormer Leuchtturms hat einen Ehrenplatz im Wohnzimmer gefunden.
Viele Fotos und schriftliche Unterlagen über die Trauung im
Leuchtturm, das Hochzeitsmenü in einer alten Windmühle,
romantische Strandspaziergänge bei Sonnenuntergang erinnern
die Frisch-vermählten an ihre Flitterwochen in nordischen Gefilden.
Im nächsten Jahr
soll dann die kirchliche Hochzeit folgen. Auch da
für haben sich die Beiden bereits etwas außergewöhnliches
einfallen lassen – mehr wird allerdings noch nicht verraten!
(chf)
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