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Text und Fotos: Dirk Hentschel

Flensborg Avis 15.08.1998

125 Stufen zum maritimen Trauzimmer

PELLWORM. Die Turmbesteigung hat es in sich, erfordert gute Kondition. Doch wer die genau 159 hölzernen Stufen erst mal geschafft hat, wird für alle Anstrengungen belohnt. Von der oberen Plattform des Leuchtturms bietet sich bei klarem Wetter ein unbeschreiblich schöner Ausblick über Pellworm, Wattenmeer, Halligen und Nachbarinseln bis zur nordfriesischen Küste.
Seit einem Jahr kann der 38 Meter hohe Leuchtturm besichtigt werden. Aber nicht auf eigene Faust, sondern nur nach vorheriger Anmeldung bei der Kurverwaltung. Denn immer muß nach Absprache mit dem Wasser- und Schiffahrtsamt Tönning aus Sicherheitsgründen ein Leuchtturmführer dabei sein. Das ist der erfahrene Kapitän Wilfried Eberhardt.

Holztisch und Rettungsring

Zusätzlich bietet Pellworm aber etwas Einzigartiges. Seit kurzem können Hochzeitspaare im Leuchtturm getraut werden. Der eher nüchtern eingerichtete Raum mit Bullaugenlicht liegt in der zehnten Etage auf 30 Meter Höhe. Ein kleiner Holztisch und einige Stühle stehen da, an der Stahlwand hängt ein Rettungsring. Genau 125 Stufen sind es bis zur Glückseligkeit im maritimen Trauzimmer. »Und bei zehn Windstärken ist es dann besonders gemütlich hier. Dann heult und orgelt es, wie in der Kirche«, erzählt schmunzelnd Wilfried Eberhardt.
Doch für die Trauungen ist er nicht zuständig. Das macht Pellworms Standesbeamter Dieter Clausen. Die ersten Hochzeiten hat es auch schon gegeben, und für weitere bietet die Kurverwaltung besondere Arrangements an.
Der 59-jährige Leuchtturmführer stammt aus der bekannten Seenotrettungsfamilie Eberhardt aus Laboe und lebt nun auf Pellworm. Er freut sich, daß »sein« Leuchtturm längst zur großen Touristenattraktion geworden ist: »Wir hatten bis jetzt schon über 2.600 Besucher, und alle waren begeistert über den gepflegten Zustand des Turms, die Technik und erst recht über den krönenden Panoramablick«.

Das Lampenhaus bleibt gesperrt
Natürlich erzählt der Käpt'n während der Besteigung der elf Etagen - nur das oberste Lampenhaus bleibt gesperrt - so allerlei Interessantes aus der Leuchtturmgeschichte. So zum Beispiel, daß der Turm in den Jahren 1906/1907 auf einer Warft auf einem Fundament aus 127 Eichenpfählen von je 13,5 Meter Länge und einem Stahlbeton-Kellergeschoß aus Gußeisen aufgebaut worden ist. Das übrigens zusammen mit den baugleichen Türmen in Westerheversand und Hörnum auf Sylt. Das elektrische Leuchtfeuer hat eine Reichweite bis 20 Seemeilen und weist - unterstützt durch ein 1,4 Kilometer entfernt liegendes Unterfeuer - Seefahrern den Weg durch das schwierige Fahrwasser der Norder- und Mittelhever. Bis 1977 wurde der Turm von einem Leuchtturmwärter gewartet. Seitdem läuft er vollautomatisch.
Zusammen mit Amrum ist der Pellwormer Leuchtturm der einzige von insgesamt 17 Leuchttürmen an der schleswig-holsteinischen Westküste, der besichtigt werden kann.

 
Date: 29.07.10
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